Erdöl
Letzte Aufführung
21. März 2006 20:00 Uhr
 




„Erdöl“ ist die Zusammenführung zweier Musikrichtungen, Generationen- Lebensgefühle. Pop und Oper, volksnahe Wiederverwertung und emotionale Überhöhung. Eine politische „Popoper“, die populäre Elemente der Oper mit Mitteln der Popmusik unmittelbarer macht und dabei die kommerzielle Haltung letzterer hinterfragt.

Mit Pit Przygodda als Komponist wurde deshalb bewusst ein Komponist aus dem Pop-/ Filmmusikbereich gewählt. Er vermischt gezielt akustischen Gesang von Opernsängern und Schauspielern mit elektronisch verstärkter Live-Musik einer Begleitband.

Gleich der erste Akt liefert eine Abfolge von Songs in der Bandbreite von italienischer Schlagermusik der 60er/70er Jahre bis hin zu punkähnlichen Liedern unserer Zeit. Dabei ist die Musik allerdings nie bloße Illustration der Darstellung, sondern verweist in ironischen Brechungen immer wieder auf sich selbst. So wie die Gesellschaft, deren Produkt der Hauptdarsteller ist, kritisiert wird, wird auch die Gesellschaft, deren Produkt die Popmusik ist, in Frage gestellt.

Der zweite Akt wird dann in einer musikalischen Großform, die den gesamten Akt überspannt, zusammen gehalten. Formal spiegelt sich dieser Rückgriff auf klassische Musik in traditionellen Operntableaus und dem ariosen Gestus des Gesangs wieder. Demgegenüber setzt die durch einen stark anschwellenden, rhythmisierten Grundpuls charakterisierte Begleitung Kontraste mit Elementen aus der Unterhaltungsmusik. Die musikalische Ebene nimmt hier die auf inhaltlicher Ebene stattfindende Konfrontation von Macht und Ohnmacht durch eine nicht aufgelöste Gegenüberstellung von Männer- und Frauenstimmen wieder auf.

Erst im letzten Akt wird diese Spannung durch ein Surren von Geräuschen der Jetzt-Zeit aufgelöst. Die Alltagsgeräusche machen jegliche direkte Auseinandersetzung zunichte und stellen die subtil wirkende, uneingeschränkte Macht von Carlos I in den Vordergrund. An dramatische Konflikte erinnern allenfalls die konkreten Zitatfragmente klassischer Art, die in Form von Sampling in die Geräuschebene eingeflochten sind, sowie politische Volks-/Kampflieder wie etwa „Ciao, bella ciao“ oder „Giovinezza, giovinezza“.
 
 
TOP    |    PRINT