Von circa 1686 bis 1738 ist die Hamburger Oper eines der führenden musikalischen Zentren in Europa. Einige der berühmtesten Komponisten der Barock-Ära leben und arbeiten zumindest zeitweise in der Hansestadt. Aufführungen der Opern von Reinhard Keiser, Johann Mattheson, Georg Philip Telemann sowie Georg Friedrich Händel zeugen davon. Während seiner Hamburger Jahre ist Georg Friedrich Händel Geiger und Cembalist an der Oper, und die meisten der in Hamburg gespielten Opern stammen aus der Feder von Reinhard Keiser. Mattheson, nur wenige Jahre älter als Händel, verfasst ebenfalls eigene Stücke, die er oft selbst dirigiert oder in denen er als Sänger auftritt. Telemann ist ab 1721 als Hamburger Stadtmusikdirektor vor allem für die musikalische Ausgestaltung der religiösen Feiertage an den Hamburger Hauptkirchen verantwortlich. Trotzdem tritt er, im Unterschied zu seinem Vorgänger Thomas Selle, auch als Opernkomponist in Erscheinung.
Als Georg Friedrich Händel 1703 engagiert wird, ist er kein Star, sondern ein hoffnungsvoller junger Künstler am Anfang einer möglichen Karriere als Komponist, Organist, Cembalist. Neben seiner Tätigkeit als Orchestermusiker nutzt Händel seine Hamburger Jahre, um einem größeren Publikum eigene Opernkompositionen unter eigener Leitung (oder des zeitweise mit ihm befreundeten Mattheson) vorführen zu können. 1705 findet die Uraufführung seiner ersten Oper „Almira" statt, die formal ein damals für Hamburg typisches Stilgemisch aufweist: ein italienisches Libretto in deutscher Übersetzung, deutsche Rezitative in italienischer Manier, die meisten Arien in deutscher, wenige in italienischer Sprache gesungen. Dazu eine Ouvertüre im französischen Stil mit französischer Orchestrierung und natürlich Tänzen.