Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg Keyvisual


 

Vom bürgerlichen Prestigeprojekt zur Wanderbühne



DIE ERSTE KRISE

Als durch finanzielle Misswirtschaft und mangelndes Publikumsinteresse die Oper in ihrer Existenz bedroht ist, fühlen sich die pietistisch orientierten Theologen, denen die Sinnlichkeit der Oper schon lange ein Dorn im Auge war, nur bestätigt, und ihre Attacken nehmen zu. Das Haus wird schließlich 1738 als selbstständiges Unternehmen geschlossen.

Bis zum endgültigen Abriss des Gebäudes im Jahr 1763 dient es vor allem durchziehenden Komödiantentruppen als Spielort. Auf diese Weise wird allerdings auch die italienische Oper in Hamburg bekannt. So tritt 1748 der zweiunddreißigjährige Christoph Willibald Gluck mit der Operntruppe Antonio Mingottis in Hamburg auf.

Am 31. Juli 1765 wird auf Initiative Konrad Ernst Ackermanns das »Ackermann'sche Comödiantenhaus« eröffnet. Einen reinen Opernbetrieb nimmt man nicht mehr auf, sondern mischt Musiktheater und Schauspiel. Ab 1767 heißt das Theater auf Lessings Einfluss hin »Deutsches Nationaltheater«. Lessing ist bis 1779 Dramaturg in Hamburg und veröffentlicht während dieser Tätigkeit seine »Hamburgische Dramaturgie«.

1771 übernimmt Friedrich Ludwig Schröder die Direktion und fördert vor allem das Schauspiel. Glanzvolle Aufführungen von Stücken Lessings, Schillers, Goethes und deutsche Erstaufführungen großer Shakespeare-Dramen dominieren gegenüber den Singspielen von Christian Weiße und Johann Adam Hiller. 1782 findet mit der »Entführung aus dem Serail« die erste Aufführung einer Mozart-Oper statt. Erst acht Jahre später folgt ein unter anderem mit Mozarts Schwägerin Aloysia Lange besetzter »Don Giovanni«. Es folgen 1791 »Die Hochzeit des Figaro« und 1793 »Die Zauberflöte«. Seit 1810 heißt das Haus dann »Hamburgisches Stadt-Theater«. Bis 1827 gehören die Aufführungen von Rossinis »Barbier von Sevilla« (1821), Beethovens »Fidelio« (1816) und Webers »Freischütz« (1822) zu den Höhepunkten.


Das Ackermann'sche Comödienhaus, 1764/65 erbaut von David Fischer