Staatsoper Hamburg

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Auf dem Weg zum Regietheater



Im Verlauf der dreijährigen Intendanz von Heinz Tietjen inszeniert Wieland Wagner den Lohengrin. Ab August 1959 beginnt die vierzehn Jahre währende Ära Rolf Liebermann. Als Nachfolger des erfolgreichen Intendanten und Regisseurs Günther Rennert, der auch in der Folge noch oft an der Hamburgischen Staatsoper inszeniert, versucht Liebermann den Wert des »konservativen Kunsttempels« weiterzuentwickeln. Liebermann ist Musiker und Intendant, und es ist ihm als Komponist ein Herzensanliegen, die Kunstform Oper vor der Erstarrung zu retten. In dem unerschütterlichen Glauben, dass moderne Oper ebenfalls attraktiv für das Publikum sein kann, vergibt er Kompositionsaufträge. In den Jahren von 1959 bis 1973 gehen an der Hamburgischen Staatsoper 28 Uraufführungen von Opern- und Ballettwerken über die Bühne, angefangen von Hans Werner Henzes »Prinz von Homburg« über Pendereckis »Die Teufel von Loudon« bis zu Mauricio Kagels »Staatstheater« in der Spielzeit 72/73. Rolf Liebermann prägt nicht nur die Hamburger, sondern auch die internationale Opernwelt. In der »Woche des zeitgenössischen Musiktheaters« im Februar 1961 finden innerhalb von acht Tagen neun Aufführungen moderner Musiktheaterproduktionen statt: Brittens »Sommernachtstraum«, Bergs »Lulu« und »Wozzeck« und Liebermanns eigene Komposition »Schule der Frauen«.

Gleichzeitig schafft er den Unterschied zwischen Premieren- und sonstigen Vorstellungsbesetzungen ab und sichert dadurch ein durchgängig hohes künstlerisches Niveau. Unter Liebermanns Ägide beginnt in Hamburg auch die Weltkarriere des Tenors Placido Domingo. Seine Zeit an der Hamburgischen Staatsoper beschrieb Liebermann später in seinem autobiografischen Werk »Opernjahre« einmal als mit die glücklichste seines Lebens.





















Plácido Domingo in »Aida« 1970 (Insz. Filippo Sanjust)


Uraufführung von Mauricio Kagels »Staatstheater« 1971 (Insz. Kagel)