1973 übernimmt ein neues Team die Führung des
Hauses: August Everding kommt als Intendant. Er holt Götz Friedrich als
Chefregisseur und John Neumeier als Ballettdirektor nach Hamburg. Mit
der „Opera Stabile" entsteht 1975 eine Experimentierbühne für
zeitgenössisches Ballett- und Musiktheater. Und mit
Werkstattveranstaltungen in der Reihe „Musiktheater in der Diskussion",
Gesprächen mit dem Publikum und engen Kontakten zu den Schulen setzt
Everding in seiner erfolgreichen Arbeit einige neue Akzente. Ein
Gastspiel in Israel mit Schönbergs „Moses und Aron" und einigen
Ballettaufführungen war in der Spielzeit 74/75 ein Höhepunkt in
Everdings Wirken. Mit Christoph von Dohnányi schlägt ab 1977 wieder ein
Dirigent den Takt an Elbe und Alster: Als Intendant und Chefdirigent
erweitert er das Repertoire durch selten gespielte Werke und holt
profilierte Regisseure aus dem Sprechtheater an die Oper. Außerdem
führt er das Seriensystem ein: Nach intensiven Proben werden die
Aufführungen in gleicher Besetzung in kurzer Abfolge gespielt. Am 2.
Januar 1978 begeht die Staatsoper in Anwesenheit des Bundespräsidenten
mit einem großen Festakt ihr 300jähriges Jubiläum. 1985-1988 übernimmt
erneut Rolf Liebermann interimsmäßig die Leitung des Hauses. Bereits in
ihrer ersten Spielzeit als Führungsduo können Peter Ruzicka und Gerd
Albrecht mit Franz Schrekers „Schatzgräber" in der Inszenierung von
Günter Krämer und unter der musikalischen Leitung von Gerd Albrecht bei
den Kritikern punkten. Eine Umfrage der „Opernwelt" führt sie als
„mehrfach genannten Spielzeithöhepunkt". Auch die Inszenierung des
„Tannhäuser" in der Regie von Harry Kupfer 1990 gehört zweifelsohne zu
den Höhepunkten der letzten Jahre. Welturaufführungen von
Auftragswerken der Hamburgischen Staatsoper, wie 1992 diejenige von
Wolfgang Rihms „Die Eroberung von Mexico" oder 1997 diejenige von
Helmut Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", werden nach
wie vor als elementarer Bestandteil der Pflege der Kunstform Oper
begriffen.