Staatsoper Hamburg

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"Gebt Opern oder wir sterben!"



Über 333 Jahre Oper in Hamburg

Die erste Bürgeroper Deutschlands
Über 333 Jahre ist es her, dass kunstliebende hanseatische Kaufleute in Hamburg ein Opernhaus gründeten. Am 2. Januar 1678 wurde das neue Musiktheater zwischen Jungfernstieg und Colonnaden mit dem biblischen Singspiel "Adam und Eva" von Johann Theile eröffnet. Das Theater, von außen ein schlichter Fachwerkbau, innen mit Logen, Parterre und Galerie versehen, war das erste öffentliche Opernhaus Deutschlands: Wer Eintritt zahlte, hatte Zutritt - während sich anderswo nur der Adel an der noch recht neuen Kunstform erfreuen konnte. Schon damals verfügte das Theater über eine eindrucksvolle Bühnentechnik: Lichteffekte durch transparente Kulissen nach dem Prinzip einer "Laterna Magica" entzückten das Publikum ebenso wie bunte Feuerwerke. Die "Bürgeroper" entwickelte sich rasch zum führenden musikalischen Zentrum des Barocks, hier wirkten Georg Friedrich Händel, Johann Mattheson, Georg Philipp Telemann und Reinhard Keiser. Ein knappes Jahrhundert später wurde 1765 am Gänsemarkt das "Ackermannsche Comödiantenhaus" eröffnet, neben Musiktheater und Ballett stand hier auch noch Schauspiel auf dem Programm. Vor allem Gotthold Ephraim Lessing war es zu verdanken, dass sich das Comödiantenhaus bald "Deutsches Nationaltheater" nannte und sich die Werke von Schiller, Goethe, Shakespeare und Lessing selbst auf dem Spielplan fanden. Ende des 18. Jahrhunderts lieferten sich Sprechbühne und Oper einen erbitterten Konkurrenzkampf, die Gunst des Publikums schwankte beständig von der einen zur anderen Sparte. Im Lauf der Zeit setzten sich aber immer mehr die passionierten Musikliebhaber durch, die forderten: "Gebt Opern oder wir sterben!"

Opernstars und Primaballerinen im "Stadt-Theater"
1827 wurde ein neues Opernhaus am Platz der heutigen Staatsoper an der Dammtorstraße eingeweiht. Das "Stadt-Theater" mit über 2500 Plätzen entstand nach Plänen von Carl Friedrich Schinkel, in ihm wurden zunächst nicht nur Opern gespielt, sondern hier traten auch Zauberkünstler und andere exotische Schausteller auf. Die Entwicklung zum reinen Musiktheater war jedoch nicht mehr aufzuhalten, immer mehr große Namen verbanden sich mit dem Opernhaus in Hamburg. 1830 gab der "Teufelsgeiger" Niccolo Paganini sein erstes Hamburg-Konzert, Richard Wagner inszenierte 1844 seinen "Rienzi", und mit "Nabucco" wurde erstmals eine Verdi-Oper in Deutschland auf die Bühne gebracht. Berühmte Sängerinnen wie Jenny Lind sorgten für Furore - ihre begeisterten Anhänger organisierten ihr zu Ehren sogar einen Fackelzug um die Alster. Auch Primaballerinen wie Fanny Elßler  und die dänische Tänzerin Lucile Grahn fanden großen Anklang beim Hamburger Publikum und bei den Kritikern. "Die Costümbilder einer Elßler, Grahn usw. sind durchaus sittig", befand ein Kritiker. Und eine Hamburger Zeitung schrieb poetisch über den frenetischen Applaus, den die Tänzerin stets für ihre Auftritte erntete: "Fanny Elßler kann bei uns stets auf wahre Gemüts-Zuneigung rechnen. Die Kränze, die man ihr zugeworfen, werden frisch bleiben, denn es netzt sie ein köstlicher Thau: Freudentränen Erquickter."

1854 geriet das Opernhaus in eine bedrohliche Krise und verlor ein Drittel seiner Besucher - erstmals benötigte man Subventionen seitens der Politik. Als Retter in der Not erwies sich Bernhard Pollini, der das "Stadt-Theater" 1873 pachtete. Er renovierte das Theater, ließ das Haus im Glanz der Gründerzeit erstrahlen und ermöglichte die erste elektrische Beleuchtung. 1891 übernahm Gustav Mahler für sechs Jahre den Posten des ersten Kapellmeisters in Hamburg. Seine künstlerischen Visionen rieben sich oft am Probenalltag des Opernbetriebs, doch er erntete vielfältige Anerkennung: Seine Mozartinterpretationen galten als modellhaft, und er festigte seinen Ruf als einer der führenden Wagner-Dirigenten. 1910 leitete Otto Klemperer zum ersten Mal eine Opernaufführung am "Stadt-Theater", sein "Lohengrin" wurde zu einem Triumph. Zwei Jahre später musste der Künstler allerdings nach einer Liebelei mit der verheirateten Sängerin Elisabeth Schumann fluchtartig die Stadt verlassen. Die Affäre war zu einem handfesten Skandal geworden, als der erboste Ehemann der Sängerin den Dirigenten vor Beginn der Vorstellung im ausverkauften Theater mit der Reitpeitsche ins Gesicht schlug.

Vom "Stadt-Theater" zur Staatsoper
1925/26 erhielt das Theater ein neues Bühnenhaus mit modernster Bühnentechnik - es ist das Bühnenhaus, das heute noch steht. Bei einem Bombenangriff 1943 wurde der Zuschauerraum des inzwischen in "Hamburgische Staatsoper" umbenannten Theaters völlig zerstört, das Bühnenhaus konnte gerettet werden. Schon knapp zwei Monate nach der Zerstörung ging der Spielbetrieb weiter, die Staatsoper brachte ihre Produktionen im Thalia Theater und in der Musikhalle auf die Bühne. Nach dem Krieg behalf man sich mit Provisorien: 1946 präsentierte sich eine neue Spielstätte mit 606 Plätzen, die drei Jahre später auf 1230 Plätze erweitert wurde. 1955 erhielt die Stadt dann endlich wieder ein richtiges Opernhaus - wieder engagierten sich Hamburger Bürger für ihr Opernhaus und spendeten Geld. Es gab sogar eine Lotterie, um den Neubau des Theaters zu finanzieren. Mit einer Vorstellung von Mozarts "Die Zauberflöte" wurde im Oktober das Haus an der Dammtorstraße eingeweiht. Intendant Günter Rennert förderte den Ausbau eines eigenen Ensembles und begann mit der Inszenierung zeitgenössischer Werke: Ein Weg, den die Hamburgische Staatsoper heute noch konsequent beschreitet. Auch Rolf Liebermann, dessen 14 Jahre währende Ära 1959 begann, glaubte an die Aktualität des Musiktheaters und trieb die zeitgenössische Oper weiter voran. Alleine 21 Uraufführungen fallen in seine Amtszeit. Mit seinem anspruchsvollen und ehrgeizigen Programm konnte das Haus auch vielversprechende Künstler an sich binden: In den 50er und 60er Jahren begannen viele Stars ihre Weltkarrieren in Hamburg, unter ihnen Anneliese Rothenberger, Martha Mödl, Plácido Domingo, Kurt Moll und Franz Grundheber.

Tanz zwischen Tradition und Vision
Der Tanz kann in Hamburg ebenfalls auf eine lange und bewegte Tradition zurückblicken. Im letzten Jahrhundert erregten unter anderem die Arbeiten von Helga Swedlund, die Choreografien George Balanchines, die Erarbeitung vieler Strawinsky-Ballette sowie die Amtszeit Peter van Dyks (1962 bis 1970) Aufsehen. Seit 1973 jedoch gilt Hamburg als wahre "Ballett-Stadt" - damals baute der ebenso fantasievolle wie rastlose Tänzer und Choreograf John Neumeier eine neue Compagnie auf und verankerte seine Arbeit durch ein neues Ballettzentrum mit eingegliederter Schule. Zahlreiche Auslandstourneen und Sonderaktivitäten, darunter die Ballettwerkstätten mit öffentlichem Training und die "Hamburger Ballett-Tage" mit abschließender Nijinsky-Gala, bereichern das Programm. Seit 1997 ist John Neumeier Intendant des Hamburg Ballett.

Zurück in die Zukunft - Oper im 21. Jahrhundert
Heute, über 333 Jahre nach ihrer Gründung, zählt die Hamburgische Staatsoper zu den führenden Opernhäusern in Europa. Opernintendantin Simone Young und Ballettintendant John Neumeier setzen mit ihrer Arbeit künstlerische Akzente, die diese Stellung unterstreichen und auf eine große Tradition als offenes, modernes und lebendiges Opernhaus verweisen. Die künstlerische Tradition der Hamburgischen Staatsoper auch in den nächsten Jahren fortzusetzen und einen Bogen über mehr als 300 Jahre Musikgeschichte und Tanztradition zu spannen, ist das Ziel der Theaterleitung. Modernes Musiktheater zu zeigen, alte Werke mit neuen Sichtweisen zu verbinden und die Klassiker des Repertoires zu pflegen, sind wichtige programmatische Schwerpunkte. "333 Jahre Hamburgische Staatsoper" bedeutet auch einen Anlass zur Rückbesinnung auf die eigene Historie. Dass Beschäftigung mit der Geschichte gleichzeitig auch Erfolg beim Publikum bedeuten kann, zeigt der Barockzyklus mit Publikumserfolgen wie "Alcina", "L'Incoronazione di Poppea" und "Giulio Cesare in Egitto". Die Theaterleitung der Hamburgischen Staatsoper legt auch den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft: Die jungen Sängerinnen und Sänger des Internationalen Opernstudios und die Eleven der Ballettschule des Hamburg Ballett versprechen eine Fortsetzung des hohen künstlerischen Niveaus des Hauses. Und mit der Kinderopernreihe "Opera piccola" wächst eine neue Generation von Opernfans heran.