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Staatsoper Hamburg

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Ballett von John Neumeier nach dem Roman von Alexandre Dumas

Die Kameliendame

Letzte Aufführung
DO, 9.05.2013 19:30 Uhr


PROLOG

Haushaltsauflösung - wegen eines Todesfalls soll das gesamte Inventar einer luxuriös ausgestatteten Wohnung versteigert werden. Zwischen dem Auktionator, der die einzelnen Gegenstände schätzt, und seinen Helfern sitzt Nanina, die treue Dienerin, und nimmt Abschied.
Kauflustige und nur neugierige Besucher, frühere Bekannte und Freunde der Verstorbenen besichtigen die Einrichtung. Unter ihnen ist auch ein älterer Herr, Monsieur Duval.
Ein junger Mann stürzt wie von Sinnen herein. Es ist Armand Duval. Als er seiner Umgebung gewahr wird und die vertrauten Räume sieht, droht er ohnmächtig zusammenzubrechen. Liebevoll fängt der alte Herr seinen Sohn auf. Von Erinnerungen überwältigt, beginnt Armand, dem Vater seine Geschichte zu erzählen:

1. AKT

Es war im Théâtre des Varietes. Man gab an diesem Abend das Ballett »Manon Lescaut«, das berühmte Drama der zwischen Luxussucht und Liebe hin und her gerissenen Rokoko-Kurtisane. Im Publikum befand sich eine der schönsten und begehrtesten Kurtisanen von Paris, Marguerite Gautier. Betroffen reagierte sie auf das Verhalten Manons, fühlte sich ihr verwandt, und weigerte sich dennoch, in ihr das eigene Spiegelbild zu sehen.
Armand hatte Marguerite bereits früher von Ferne bewundert, aber bisher nie die Möglichkeit gefunden, sie kennen zu lernen. Nun war er ihr zum erstenmal vorgestellt worden. Noch aufgewühlt von der Begegnung, verfolgte er mit erhöhter Spannung die Aufführung. Im Wesen Des Grieux, Manons treuem Liebhaber, spürte er verwandte Züge und fürchtete für einen Augenblick, in dessen traurigem Schicksal die eigene Zukunft zu entdecken.
Nach der Vorstellung hatte Marguerite, um sich die Zeit zu vertreiben und sich trotz der Anwesenheit des sie langweilenden Grafen N, zu amüsieren, Armands Freund Gaston und Prudence, eine etwas vulgäre Kurtisane, zu sich eingeladen. Armand war mitgekommen. Und Marguerite benützte ihn, um den jungen Grafen zu ärgern. Die Situation spitzte sich zu. Graf N verließ eifersüchtig die Wohnung. Marguerite erlitt einen Hustenanfall und zog sich zurück. Armand folgte ihr, bot ihr seine Hilfe an und gestand ihr überwältigt seine Liebe. Sie wehrte zunächst ab, blieb skeptisch; gleichzeitig rührte sie seine leidenschaftliche Zuneigung. In der folgenden Zeit vertiefte sich die Beziehung zwischen beiden. Marguerite führte weiter ihr gewohntes Leben, eilte von Ball zu Ball, von Verehrer zu Verehrer, vom alten Herzog zum jungen Grafen. Aber immer wartete Armand auf sie. Er folgte ihr selbst aufs Land, wo der Herzog ihr wegen ihrer angegriffenen Gesundheit ein idyllisches Haus zur Verfügung gestellt hatte.

II. AKT

Auch auf dem Land setzte Marguerite ihr turbulentes und aufwendiges Leben auf Kosten des Herzogs fort. Eines Tages kam es zur offenen Konfrontation zwischen Armand und dem Herzog. Marguerite bekannte sich zum erstenmal eindeutig vor allen zu ihrem Geliebten und entschied sich gegen Reichtum und Sicherheit. Empört verließ der Herzog die Gesellschaft. Auch die Freunde gingen. Endlich waren Armand und Marguerite allein und konnten schrankenlos ihrer Liebe leben.

Der Gedanke, dass dieses Glück jetzt unwiederbringlich verloren ist, lässt Armand erneut zusammenbrechen. Sein Vater ist tief erschüttert. Betroffen erinnert er sich der Rolle, die er in der Geschichte gespielt hat:
Als er vom Lebenswandel seines Sohnes erfahren hatte, suchte er ohne Armands Wissen Marguerite in ihrem Landhaus auf und verlangte von ihr die Trennung von seinem Sohn zu dessen und seiner unbescholtenen Tochter Wohl. Aus Liebe brachte Marguerite das Opfer. Sie kehrte während Armands Abwesenheit nach Paris zurück und stürzte sich verzweifelt in ihr altes Leben.

Armand ist wieder ruhiger geworden. Gefasst erzählt er dem Vater nun, wie er bei seiner Rückkunft das Haus verlassen vorgefunden hatte. Vergeblich hatte er auf Marguerite gewartet, bis Nanina ihm zu seinem Erstaunen einen Brief Marguerites brachte, in dem sie ihm schrieb, dass sie mit ihm bräche und in ihr früheres Leben zurückkehre. Ungläubig eilte er sofort nach Paris. Als er nach nächtlichem Fußmarsch in der Stadtwohnung ankam, fand er sie in den Armen eines anderen.

III. Akt

Einige Zeit später begegneten sich beide zufällig auf den Champs-Elysées. Marguerite war in Begleitung einer anderen schönen Kurtisane, Olympia, um die sich Armand sofort bemühte. Er musste Marguerite quälen, denn er fühlte sich zu tief verletzt. Um sich zu rächen, hielt er nun Olympia aus. Ein letztes Mal suchte Marguerite, bereits todkrank, Armand auf und bat ihn, von seinem demütigenden Verhalten zu lassen und sie zu schonen. Beide fanden noch einmal zueinander. Doch im Schlaf wurde Marguerite von der alptraumhaften Vision Manons verfolgt. Erwachend beschloss sie, ihrem Versprechen treu zu bleiben. Heimlich verließ sie den Geliebten. Armand sah sich ein zweites Mal allein.
Und nun brüskierte er sie bei einem großen Ball in aller Öffentlichkeit. Er überreichte ihr einen mit Geldscheinen gefüllten Brief, den Lohn für die gewährten Liebesdienste. Marguerite brach zusammen.

Armand ist am Ende seines Berichts angelangt. Der Vater hat ihm ergriffen zugehört. Sie trennen sich. Nanina, die von Armands Ankunft gehört hat, kommt zurück und übergibt ihm Marguerites Tagebuch. Armand beginnt darin zu lesen. Er erfährt von ihrem immer rascheren Dahinsiechen. Er begleitet sie bei ihrem letzten Theaterbesuch. Es gab »Manon Lescaut«: Nach Amerika verbannt und verarmt, befindet sich Manon wieder auf der Flucht. Vor Erschöpfung stirbt sie in den Armen ihres treuen Liebhabers Des Grieux, der ihr selbst in die Verbannung gefolgt war. Krank und verzweifelt ging Marguerite aus dem Theater. Aber die Gestalten des Balletts bedrängten sie in ihren Fieberträumen und mischten sich mit den eigenen Erinnerungen und Hoffnungen. Einmal noch wünschte sie, Armand wiederzusehen. Von den früheren Freunden verlassen, vertraute sie ihre Ängste und Sehnsüchte dem Tagebuch an, das sie Nanina für Armand übergab. Verarmt und einsam starb Marguerite.

Fotos: © Badekow