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Staatsoper Hamburg

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Zwei Ballette von Jerome Robbins

Chopin Dances

Letzte Aufführung
DO, 22.03.2012 19:30 Uhr

    Staatsoper Hamburg

    Vor der Aufführung zu lesen

    Ein Abend, der den Titel »Chopin Dances« trägt, weckt Erwartungen. Chopin und Ballett - das ist eine folgenreiche Geschichte, die 1907 mit Michail Fokins »Chopiniana« begonnen hat, nicht zu vergessen Isadora Duncans Auseinandersetzung mit Chopin, die bereits zuvor, in Paris um 1900, eingesetzt hatte. Chopin selbst hat die Tänze seiner polnischen Heimat zeitlebens gewürdigt. Seine Mazurkas wurden zu regelrechten Exportartikeln, die das masowische Kulturgut bis nach Amerika brachten und dort in der Sehnsucht vieler polnischer Zugewanderter weiterlebten. Die Prägung des Tanzes durch die Musik von Frédéric Chopin erfuhr auch Jerome Robbins. Der 1998 in New York verstorbene amerikanische Choreograf war Spross osteuropäischer Einwanderer.

    Mit seinem Ballett »Dances at a Gathering« kehrte Robbins nach zwölfjähriger Abwesenheit wieder zum New York City Ballet zurück. Das Werk entstand aus Anlass der 25th Anniversary City Center Gala, für die Robbins zunächst nur einen Pas de deux für Edward Villella und Patricia McBride choreografieren sollte, und wurde im Rahmen dieser Feier am 8. Mai 1969 erstmalig vorgestellt. Die offizielle Premiere folgte am 22. Mai im New York State Theater.

    In einem Gespräch mit Hubert Saal erinnerte sich Robbins an den Probenprozess: »Ich begann den Pas de deux mit Eddie Villella und Pat McBride zu machen. Dann wurde ich durch die Musik angeregt. Und es strömte aus mir heraus, als ob sich in mir ein Ventil geöffnet hätte, und die Reinheit des Arbeitens mit den Tänzern leitete den Strom. Ich nahm, was mir gefiel, ließ es geschehen und vertraute darauf.« Die Auseinandersetzung mit der Musik führte zu einer steigenden Nummernzahl und forderte weitere Tänzer. Fünf Tänzerinnen und fünf Tänzer werden in unterschiedlichen Farben ihrer Kostüme als Einzelpersonen erkennbar.

    Die Abfolge der Tänze folgt keiner äußeren Handlung, sie gibt Raum für eine tänzerische Kommunikation der Solisten. »Dances at a Gathering« meint denn auch Tänze bei einer Begegnung. Entstanden ist ein klassisches Ballett mit leicht folkloristischem Einschlag, das in seinen Gesten einer humanen Poesie folgt.

    Der folkloristische Gestus dominiert auch in den ausgewählten Kompositionen von Frédéric Chopin. Vergleichsweise häufig erklingen Mazurkas. Aus ihnen spricht die Seele einer Landschaft. Gemeinschaft und Verwurzelung - für Robbins war beides wichtig: »Die Atmosphäre in dem Ballett scheint europäisch und zugleich nicht europäisch zu sein. Es wirft einen nostalgischen Blick auf die europäischen Wurzeln und schaut doch mit amerikanischer Unverwandtheit den Horizont der Pioniere.«

    Jerome Robbins redet von Menschen über Menschen. Er erzählt Geschichten auch da, wo der Tanz allein durch Musik geleitet wird: »Ballett lässt mich wie ein Autor fühlen. Ich kann sagen, was immer ich will, beschränkt nur durch mein eigenes Fassungsvermögen und das meiner Tänzer.«

    Dances at a Gathering
    The Concert
    Fotos: © Badekow