Staatsoper Hamburg

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»Opera piccola«

Oper für Kinder. Oper mit Kindern.
Henze

Pollicino

Herr Fürchterlich und sieben Fleisch fressende Pflanzen
Im Februar 2002 hatte das Stück »Pollicino« auf Kampnagel Premiere. In den Wochen davor gab es viel Arbeit für die sechzig Schülerinnen und Schüler aus vier verschiedenen Jahrgängen des Gymnasiums Buckhorn, die bei dem Projekt mitmachten und Requisiten dafür gefertigt haben: Sieben Fleisch fressende Pflanzen für den Traumwald mussten auf die Leinwand gebracht werden. Außerdem wurden für das Stück noch eine Ahnengalerie mit zwanzig Vorfahren des Menschenfressers Fürchterlich - einem Bösewicht der Oper - benötigt sowie ein Porträt von ihm. Auch das fiel nicht gerade bescheiden aus: 1,80 Meter mal 1,80 Meter misst das Bild, das zwei Fünftklässler und zwei Sechstklässler in perfekter Teamarbeit erstellten. Nachdem alle Schüler ihre Arbeit beendet hatten, wurden die Leinwände mit den Pflanzen auf Holzplatten geklebt und von Mitarbeitern der Staatsopernwerkstätten ausgesägt und auf Rollwagen montiert: Fertig war die mobile Dekoration für die Hamburger Inszenierung einer der erfolgreichsten Kinderopern überhaupt.

»Pollicino« wurde in Hamburg durch ein vielseitiges Engagement realisiert: In Kooperation mit weiteren Schulen der Hansestadt und mit Unterstützung der Mercedes Benz Niederlassung Hamburg brachten die Hamburgische Staatsoper und Kampnagel das Stück auf die Bühne. Die Stars waren die Kinder: Sie stellten nicht nur die Dekorationen her, sondern sangen auch die meisten Partien. Auch das Orchester setzte sich aus jungen Musikern verschiedener Hamburger Schulen zusammen. »Wir wollten eine Oper mit Kindern für Kinder machen. Die Schüler sind in das Projekt eingebunden und sollten selbst aktiv werden«, sagt Opernintendant Louwrens Langevoort, der sich sehr für das Projekt eingesetzt hat. »Durch das Selbermachen setzen sich die Kinder sehr intensiv mit dem Stück auseinander und gewinnen einen ganz anderen, neuen Zugang zu der Musik, als sie ihn durch bloßes Hinhören und Zuschauen erfahren könnten. Ich hatte Gelegenheit, die Endproben zur Uraufführung von »Pollicino« im August 1980 in Montepulciano mitzuerleben - Henzes Oper und das große Engagement der Kinder haben mich schon damals sofort begeistert.« Kampnagel-Intendantin Gordana Vnuk begrüßte die Koproduktion mit der Hamburgischen Staatsoper als hochinteressantes künstlerisches Konzept. »Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit, zumal die Kinderoper eine willkommene Bereicherung unseres Angebotes für Kinder und Jugendliche darstellt«, sagt sie. Die Geschichte von »Pollicino« - auf Deutsch: » Däumling« - erinnert an das Märchen von Hänsel und Gretel: Weil der Vater die Familie nicht mehr ernähren kann, setzen die Eltern schweren Herzens Pollicino und seine sechs Brüder im Wald aus. Hier finden die Geschwister zwar neue Freunde, geraten dann aber in das Haus des gemeinen Menschenfressers Fürchterlich. Dessen Frau beschützt die Brüder, bis sie gemeinsam mit den Töchtern von Fürchterlich fliehen können. Hans Werner Henzes Werk gehört zu den meistgespielten Kinderopern, der Komponist bezeichnet sein Stück als »Intensiv-Musikkurs«. Aber er will nicht nur belehren, sondern auch unterhalten: »Die Kinder, die sich damit beschäftigen, sollen wie im Spiel an die Musik herangeführt werden«, sagt Hans Werner Henze. »Das Abenteuer einer solchen Aufführung durch Kinder sollte im Glücksfall so enden, dass sie sich bewusst werden, mit einem Mal einen Schritt in die musikalische Realität gemacht zu haben. Musik ist in ihre zarten und zerbrechlichen Leben eingedrungen und sie werden sich, so hoffe ich, von diesem treuesten aller Verbündeten nicht mehr trennen wollen.«

Regisseur Christoph von Bernuth probte die einzelnen Szenen mit den Solisten, alles Kinder ab acht Jahren. Die jungen Sängerinnen und Sänger waren mit großer Begeisterung und Engagement bei der Sache; besonders freuten sie sich auf die Szenen im Haus des Menschenfressers: Wenn sich Pollicino und seine Brüder vor Herrn Fürchterlich verstecken müssen, brach die pure Spielfreude aus. Jürgen Luhn, Chorleiter der »Hamburger Alsterspatzen«, übernahm die musikalische Einstudierung. Die Partien der Erwachsenen wurden mit Sängern der Hamburgischen Staatsoper und mit Gästen besetzt. Für die musikalische Leitung hatte die Hamburgische Staatsoper ebenfalls ein junges Talent engagiert: Der junge Cornelius Meister hat schon mit zehn Jahren Werke von Zender und Trojahn zur Uraufführung gebracht.

Musikalische Leitung: Cornelius Meister
Inszenierung: Christoph von Bernuth
Bühnenbild: Heinz Gellrich zusammen mit Schülern des Gymnasiums Buckhorn
Kostüme: Doris Kirchhof
Koproduktion mit Kampnagel Hamburg
Gefördert von Mercedes-Benz, Hamburg