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Staatsoper Hamburg

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Richard Wagner

Die Meistersinger von Nürnberg

Letzte Aufführung
FR, 17.05.2013 17:00 Uhr


Erster Akt

Der Junker Walther von Stolzing ist nach Nürnberg gekommen, um sich hier als Bürger niederzulassen. Er ist bei dem Goldschmied Veit Pogner abgestiegen und hat sich auf den ersten Blick in dessen Tochter Eva verliebt. Auch sie hat sofort ihr Herz an den Fremden verloren.
Nach dem Gottesdienst spricht er Eva an. Er erfährt, dass sie den Sieger eines Wettsingens, das am nächsten Tage stattfinden wird, heiraten soll. Er beschließt, sich um die Aufnahme in der Meistersingerzunft zu bewerben.
David, der Lehrling des Schusters Hans Sachs, leitet die anderen Lehrlinge bei den Vorbereitungen zur Zunftversammlung an. Pogners Haushälterin Magdalene, die Eva in die Kirche begleitet hatte, bittet David, Walther von Stolzing mit den Regeln des Meistergesangs vertraut zu machen. Der junge Mann, der den Wunsch seiner Liebsten so gut wie möglich erfüllen will, versucht, dem Ritter das verwirrende und verästelte Regelwerk nahe zu bringen. Stolzing sieht bald ein, dass er den langen Weg des mühsamen Lernens nicht wird gehen können. Es bleibt ihm keine Wahl: Er muss versuchen, ohne alle Vorbereitung ein Meisterlied, also eine eigene Dichtung und Komposition auf der Grundlage der Meisterregeln zustande zu bringen. Die Meister treffen nach und nach zur Versammlung ein. Der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser ist wegen der Wettkampfregeln beunruhigt, die Pogner aufgestellt hat. Wenn die Tochter ein Vetorecht hat und nicht gezwungen ist, den Sieger zu heiraten, sieht der alternde Junggeselle für sich wenig Hoffnung. Walther von Stolzing bittet Pogner, seine Bewerbung um Mitgliedschaft in der Sängerzunft zu unterstützen. Pogner ist über diese unerwartete Nachricht hocherfreut.
Er erklärt der Meisterversammlung, warum er beim diesjährigen Wettsingen keinen Geldbetrag stiftet, sondern seine Tochter als Preis aussetzt. Er möchte auf diese Weise zeigen, wie viel den deutschen Bürgern die Kunst bedeutet und dass das weit verbreitete Vorurteil, sie dächten einzig an Gelderwerb und Vermehrung ihres Kapitals, nicht der Wahrheit entspricht. Hans Sachs macht Einwände. Er schlägt vor, Eva und das Volk zu fragen, wer den Sieg im Wettkampf davontragen soll. Aber sein Antrag wird einstimmig abgelehnt. Die Meister fürchten, die Befragung des Volkes könnte zur Aufweichung der strengen Regeln und zum Verfall ihrer Kunst führen. Der junge Ritter, den Pogner als Aspiranten auf die Meisterwürde vorstellt, verwirrt die Meister. Auf die Frage nach seinen Lehrern in der Kunst nennt er Walther von der Vogelweide und das Zwitschern der Vögel im Frühling. Damit kann er im Sinne der Regeln weder als Dichter noch als Sänger gelten. Dennoch gestattet man ihm, ein Lied vorzutragen und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Er singt leidenschaftlich, allerdings reichlich wirr. Beckmesser, der sofort erkannt hat, dass der junge Mann ihm bei seinen Heiratsabsichten gefährlich werden könnte, vermerkt die Regelverstöße genüsslich auf seiner Tafel. Trotz Hans Sachs’ Fürsprache lehnen die Meister die Aufnahme des jungen Ritters einstimmig ab.


Zweiter Akt

Es ist Johannisnacht. Die Lehrlinge feiern und treiben ihren Spaß mit David, der sich für etwas Besseres hält.
Magdalene will hören, wie die Dinge mit dem Ritter stehen. David kann ihr nur vom Misserfolg Walther von Stolzings berichten. Veit Pogner und Eva kehren von einem Spaziergang zurück. Pogner versucht erfolglos, seine Tochter von der Richtigkeit seiner Entscheidung zu überzeugen. Er verschweigt ihr allerdings, dass sie nie heiraten darf, sollte sie den Sieger des Gesangswettbewerbs als Ehemann ablehnen.
Magdalene erzählt Eva, dass Beckmesser ihr an diesem Abend ein Ständchen bringen möchte, um vorab zu erfahren, ob ihr sein Lied gefällt, das er am nächsten Tag zu singen gedenkt. Eva überredet die Freundin, sich statt ihrer am Fenster zu zeigen. Hans Sachs kann sich nicht auf seine Schusterarbeit konzentrieren. Der Auftritt des jungen Ritters in der Singschule hat ihn irritiert. Eva versucht, bei Sachs in Erfahrung zu bringen, wie es Walther von Stolzing bei den Meistern ergangen ist. Er berichtet ihr von Walthers misslungenem Auftritt in der Singschule. An ihrer heftigen Reaktion erkennt er, dass sie den Ritter liebt. Er beschließt, sich für das Glück der jungen Leute einzusetzen. Eva und Walther beschließen die Flucht aus Nürnberg. Sachs belauscht die beiden.
Beckmessers Erscheinen zwingt die jungen Leute, den Fluchtplan zunächst aufzugeben und sich zu verstecken. Sachs merkt die Fehler im Ständchen des Stadtschreibers durch kräftige Hammerschläge an. Der Lärm weckt die Anwohner. David sieht, dass Magdalene, seine Liebste, am Fenster steht und nimmt an, dass das Ständchen des verliebten Stadtschreibers ihr gilt. Er verprügelt den vermeintlichen Rivalen. Die Erregung greift auf alle über: Lehrbuben, Gesellen und Meister beschimpfen die jeweils anderen Zünfte. Es kommt zu einer Massenschlägerei.
Walther und Eva wollen das Getümmel ausnutzen und fliehen, doch im letzten Moment hält Sachs sie auf, schiebt Eva in ihr Haus und nimmt Walther mit sich.

Dritter Akt

Am Morgen des Johannistags will sich David bei Sachs für die Schlägerei entschuldigen. Doch der Meister scheint ihm die Sache nicht weiter übel zu nehmen. Der nächtliche Vorfall lässt Sachs über die Ursachen solcher Gewaltausbrüche, von denen die menschliche Geschichte voll ist, nachdenken. Er kommt zu keiner Erklärung, beschließt aber, den »Wahn« der Nürnberger Einwohner heute zum Besten der beiden jungen Leute zu verwenden. Der junge Ritter hat einen wundervollen Traum gehabt, von dem er Sachs erzählt. Der zeigt ihm, wie er mit Hilfe des strengen Regelwerks der Meister seine Empfindungen und Erlebnisse ausdrücken und ihnen eine Gestalt zu geben, in der sie sich bewahren lassen. Mit Sachs’ Hilfe formt Walther von Stolzing sein Traumerlebnis zu einem Lied. Die letzte Strophe, die Deutung des Traums, kann er nicht finden. Beckmesser schleicht sich in die Schusterwerkstatt, findet den von Sachs aufgeschriebenen Text und glaubt nun einen Beweis in der Hand zu haben, dass sich der Schuster beim Wettsingen um Eva bewerben will. Sachs schenkt ihm das Lied und verspricht, nie zu behaupten, er sei der Schöpfer dieses Liedes. Beckmesser ist begeistert und sieht sich schon als unumstrittenen Sieger. Eva sucht den Schuster auf, weil ihre neuen Schuhe, wie sie behauptet, nicht richtig passen. Während Sachs den Schuh untersucht, betritt Stolzing den Raum. Die Gegenwart der Geliebten inspiriert ihn zur dritten Strophe seines Liedes. Sachs ernennt seinen Lehrling zum Gesellen und tauft Walthers Meisterlied. Alle begeben sich zur Festwiese, wo die Entscheidung fallen soll. Das Volk versammelt sich mit Musik und Tanz zur Feier des Johannistags.
Das entscheidende Ereignis beginnt: der Wettgesang der Meistersinger. Beckmesser scheitert an dem Versuch, Stolzings Lied vorzutragen, das er nicht verstanden hat. Um der Blamage zu entgehen, bezeichnet er Sachs als den Autor des Unsinns, den er vorgetragen hat.
Sachs bestreitet die Autorschaft und fordert, dass man seinen Zeugen anhört, der das Lied richtig vorzutragen in der Lage ist. Walther von Stolzing trägt sein Lied vor, das er unter dem unmittelbaren Eindruck der Situation auf der Festwiese noch einmal neu, knapper und klarer zu fassen versteht. Das Volk und schließlich auch die Meister sind begeistert. Eva krönt den Sieger.
Veit Pogner will den Ritter zum Meister ernennen, doch der lehnt schroff ab. Er will Eva heiraten, aber nichts mehr mit den Meistern zu tun haben. Erst als Sachs ihn mahnt, die Meister nicht zu verachten, da schließlich sie über Jahrhunderte die Tradition der deutschen Kunst bewahrt hätten, lässt sich Stolzing unter allgemeinem Jubel in die Zunft aufnehmen.

(c) Werner Hintze